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Throwback-Thursday #4 – Die Phantastik

In den kommenden Ausgaben dieser Blogreihe möchte ich mich mit meinen Lieblingsgenres auseinandersetzen. Ich möchte einen Blick zurückwerfen auf die wichtigsten Vertreter und den sicherlich beängstigend großen Stapel der Klassiker, die ich bisher verpasst habe. Wenn es um das Lesen geht, gefallen mir zwei Genres am besten: Fantasy und Science Fiction. Nach meiner Wahrnehmung gehören diese beiden Spielarten der Literatur der übergeordneten Kategorie der phantastischen Literatur. Doch was ist diese Phantastik? Ich möchte mich zuerst einer sehr persönlichen Eingrenzung widmen. 

Wenn man sich auf einen Blogbeitrag vorbereitet, ist es meist ein guter Beginn, den Gegenstand zu googeln und dann zwangsläufig auf der Wikipedia zu stranden. Was ich mit Bezug auf die Phantastik dort fand, hat mich wirklich überrascht. Man ist sich gar nicht so einig, was alles als Phantastik gelten kann und was anderen Genres angehört und selbst phantastische Elemente hat. Die „offizielle“ Definition bringt mich also nicht unbedingt weiter. Deswegen möchte ich mich auf meine eigene Weise dem Gegenstand nähern. 

Als ich Kind und Jugendlicher war, gab es keine Science-Fiction oder Fantasy. Es gab Filme, Serien und Bücher, bei denen es um Raumschiffe, Elfen und Unglaubliches ging. Für mich persönlich war der zugehörige Überbegriff die Phantastik. Wenn am Samstagabend die Doppelfolge Star Trek: The Next Generation auf Kabel Eins vorbeiging, brauchte man andere Medien mit Raumschiffen, denn genug war es nie. Doch die Science-Fiction definiert sich doch etwas komplexer. Obwohl man zugeben muss, dass Raumschiffe ein recht zuverlässiges Indiz sind. 

Unabhängig von der Phantastik braucht jeder Roman oder jede Erzählung einen Identifikationspunkt, etwas, in dem sich die Lesenden wiederfinden. Dabei muss es sich nicht um eine Figur handeln oder ein Konzept. Im besten Fall transportiert der Roman ein Gefühl, mit dem man eine Verbindung aufbauen kann. Der Kampf des Helden, um seine Familie zu schützen. Der Rebell gegen das Imperium, um die Freiheit zu gewinnen. Die Angst eines Mannes, der nach Innsmouth reist und bemerkt, wie seine Realität zerbricht. Also etwas, das den Lesenden hilft, den Sprung in eine andere Welt zu wagen und sich mit dem Fremden zu identifizieren. Es ist der Riss im Papier, hinter dem der Autor beginnt, eine Welt zu erschaffen. 

Stellt euch vor, bevor es geschafft! Wir sind angekommen in der Welt hinter diesem Riss. Doch was dort auf uns wartet, ist unbekannt und in vielen Aspekten unterscheidet sich diese Welt von unserer Realität. Es gelten andere Regeln, die sich in Systeme zusammenfügen und die Grundlage des Lebens bilden. Diese langhaarigen blonden Strolche werden Jahrhunderte alt und haben daher andere gesellschaftliche Normen, denen ihr Zusammenleben folgt. Das Leben unterliegt einem übergeordneten Evolutionsprinzip, es entstehen Gemeinschaftwesen, die ihren Machtbereich mit überdimensionaler Stabilisierungsenergie fluten, um die Entstehung der Ordnung zu fördern oder die Entropie zu entwickeln. Mit zehn Jahren findest du heraus, dass du zaubern kannst und der mächtigste aller Zauberer deine Eltern getötet hat. Dieses abweichende Realitätssystem, das auf allen Ebenen wirken kann, ist die Grundlage für das, was viele Sense of Wonder oder das phantastische Staunen nennen. 

Doch in dieser neuen Realität braucht es auch Konflikte. Dabei können diese Konflikte auf alle Ebenen entstehen und ausgearbeitet sein. Mia und Torgen können sich im Fjördland streiten, weil sie an unterschiedliche Götter glauben. Die Kosmokraten können die Endlose Armada entsenden, um das Wirken der Entropie zu mindern. Es kann aber auch Streit um einen Zauberring geben, der Mittelerde in eine Gewaltherrschaft zwingen kann. Doch wie sieht das eigentlich der Gegenpart? Der Systemsprung funktioniert nicht nur in die neue Realität hinein oder wieder hinaus, sondern auch innerhalb eines Spektrums. Man kann doch auch Teile der Geschichte aus der Sicht des bösen Zauberers, des Chaotarchen oder der falschen Götter erzählen. Vielleicht findet man dabei auch heraus, dass eine Welt nicht in Schwarz und Weiß gweißt ist, sondern oft genug in Grautönen entsteht. 

Wenn ich auf diese Gemengelage blicke, muss ich zugeben, dass diese offene Definition viel einschließen würde, was ich zuvor ausgeschlossen hätte. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Autorinnen und Autoren, Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie diesen Beitrag lesen. Die Leserschaft ist sicherlich sehr gespalten. Ihr könnt euch gerne im Kommentarbereich dieses Blogbeitrages austoben oder mir eine Mail schreiben an Info@Weltendieb.com. Schluss möchte ich noch Balthasar danken, der in einer Antwort auf meine letzten Beiträge zum Throwback-Thursday einen Hinweis gegeben hat. Sci-Fi-Autor Richard in einem Beitrag in der Zeitung Globe & Mail im Jahr 1997 dem Thema Seduction of the Innocent gewidmet. Dabei bearbeitet er auch das Thema, wie man die eigenen Kinder in den Bann bringen kann.

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