Es ist endlich soweit. Dieses Mal möchte ich euch in unserem Blogformat das Thema Science-Fiction näher bringen. Also noch einmal in wenigen Worten die Faszination erklären, die ihr mittlerweile weit über 400 Podcastepisoden zu hören bekommen habt. Naja, klingt langweilig und wirkt ebenso sinnvoll wie Holz in den Wald zu tragen. Daher habe ich mich für etwas anderes entschieden. Ich habe mich mit meiner Frau bei einer Tasse Kaffee zusammengesetzt und sie ein wenig über ihre Vorstellungen zur Science-Fiction interviewt.
Zur Ausgangssituation sei gesagt, dass meine Frau weder Science-Fiction noch Fantasy wirklich mag. Es ist mir zwar schon ein paar Mal gelungen, einen Film dieser Genres zu platzieren, doch auf Begeisterung ist das nicht gestoßen. Janine liest lieber Thriller, Krimi und historische Romane. Da sie aber nun mal mit mir verheiratet ist, konnte sie eine Kontamination nicht ganz vermeiden. Was mittlerweile Desinteresse ist, beschrieb sie mir aus ihrer Jugend eher als echte Abneigung gegen das Genre, unabhängig vom Medium. Dass sie aber großer Freund der Avatar-Filme ist, lasse ich an dieser Stelle umkommentiert.
Aus unserem Gespräch gingen folgende Wesensmerkmale für das Science-Fiction-Genre hervor.
- Es geht um Raumschiffe. Wie ich bereits in einem vorangegangenen Beitrag festgestellt habe, sind Raumschiffe ein treffsicheres Indiz für eine Science-Fiction-Geschichte. Ihre Reisen, ihre Technik und stellenweise Personifizierung sind auch für Janine ein Wesensmerkmal der Science-Fiction. Sicherlich lässt sich hier auch der Quell ihrer Abneigung finden.
- Zukunftsquatsch – Hand in Hand mit der Existenz von Raumschiffen, aber sicherlich nicht exklusiv, ist die Verrottung in der Zukunft. Egal ob nah oder fern. Egal ob als Märchen erzählt (Star Wars). Der Vorwurf der Entrückung in die Zukunft trifft meist zu. Damit entkoppelt sich die Geschichte des aktuellen Bezugs und entzieht sich der Verantwortung, realitätsnahe Themen zu bearbeiten. Hier musste ich mir eine Liste von ca. 200 Einwürfen verkneifen. Darum soll es schließlich nicht gehen.
- Außerirdische Gestalten – In Science-Fiction-Geschichten tauchen Wesen auf, die nicht wie wir sind. Sie haben andere Nasen, spitze Ohren oder sind sprechende Quallen. In Janines Schilderungen spielte das eine wichtige Rolle. Von diesem sicher zentralen Wesenszug wird sie abgeschreckt. Sie schafft den Leap of Faith nicht, um eine Geschichte zu erreichen, die vielleicht doch nahe liegende Motive enthält.
- Es ist immer die Variation des selben Motivs – Dieser Vorwurf ging mir sehr nahe. In der Wahrnehmung meiner Frau kommen die populären Science-Fiction-Geschichten immer auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zusammen. Die Unterschiede, die sich ergeben, sind nur Variationen der selben grundlegenden Geschichte. So gern ich hier eine stundenlange Gegenrede führen will, wohnt diesem Vorwurf vielleicht auch etwas Wahres inne.
Da unser soziales Umfeld in der Familie von Science-Fiction-Fans unterwandert wurde (hier bin ich nicht unschuldig), hat sich die Wahrnehmung der Leserschaft der Science-Fiction gewandelt. Ich habe Janine gebeten, ihre Wahrnehmung des Fandoms aus der Vergangenheit mit der Situation zu vergleichen, wie sie sie jetzt wahrnimmt. Ausgehend von der Vorstellung, dass Science-Fiction von pickligen Nerds gelesen, geschaut oder anderweitig konsumiert wird, war ich wenig überrascht. In der Demographie entsprach ihre Wahrnehmung dem Muster: Mann mittleren Alters, weiß und gesellschaftlich vereinsamt.
Heute hat sich dieses Bild gewandelt. Die Schnittmenge aus unserem Bekanntenkreis (empirisch sicherlich nicht stichhaltig und nur wenig aussagekräftig) gestaltet sich ungefähr wie folgt:
- Vorwiegend männliches Publikum,
- Aus allen Altersschichten,
- Eher akademischer Bildung,
- Sozial engagiert,
- Erfolgreiche Angehöriger der Gesellschaft (i.S.v. keine Loser) und
- Keine Außenseiter.
Dies hat uns dann doch selbst überrascht.
Abschließend habe ich Janine die Frage gestellt, wie denn ein Science-Fiction-Roman aussehen sollte, der ihr gefallen könnte. Ich versuche, die wesentlichen Merkmale aufzuzählen und kurz zu vertiefen.
- Near Future – Science-Fiction ist erwünscht, solange sie sich nicht von der heute wahrnehmbaren Lebensrealität entkoppelt. Sicherlich kann hier naturwissenschaftlich ein wenig abgehoben werden, doch im Kern soll diese wissenschaftliche Idee mit einer Welt kollidieren, in der man sich auch heute wiederfinden kann.
- Thriller und Psycho-Thriller – Es darf spannend sein. Eine dichte Atmosphäre, in der Dinge passieren, die sich auch in Form von Verbrechen äußern dürfen. Gern darf ermittelt werden und die Handlungstragende Figur an menschliche Abgründe geführt werden.
- Reale Bezüge – Das Alpha und Omega sind die echten, nachvollziehbaren Probleme und der Ratschluss, mit dem man auch etwas anfangen kann. Abgehobene Konzepte von neuer Realität und einem Zwiebelschalenmodell der bewussten Identität schrecken eher ab, als dass sie Janine begeistern würden.
- Romantik durchaus erwünscht – Charaktere sollen realistische Beziehungen führen, aus denen sich gerne auch eine gehörige Portion des Dramas ableiten kann. Menschliches Miteinander ist der einfachste Weg, einen realen Bezug herzustellen. A trifft B und verliebt sich, ist wohl universell.
Wenn sich in der Leserschaft auch Vertreterinnen und Vertreter der Schreibenden Zunft befinden, habe ich hier eine Checkliste geliefert, anhand der man einen Science-Fiction-Roman für meine Frau schreiben kann. Solltet ihr Empfehlungen haben, welches Buch diese Kriterien erfüllt, lasst es mich wissen. Ich kann jede Hilfe gebrauchen, um meine Frau von diesem wundervollen Genre zu überzeugen. Ihr seid herzlich eingeladen, einen Kommentar zu diesem Beitrag zu hinterlassen oder euch per Mail zu melden. Zuschriften richtet ihr bitte an Info@weltendieb.com.