Who the fuck is Homer Gershwin Adams?

Ältester lebender Terraner, Finanzgenie, der Bucklige – Namen, bei denen der geneigte Perry-Rhodan-Fan sofort an Homer Gershwin Adams denkt. Adams, geboren am 11.09.1918, ist eine der wichtigsten Figuren der Raketenheftserie und die graue Eminenz im Hintergrund. Was wissen wir als Leser über diese Figur?

Der Halbmutant begleitet uns seit Heft 6 der Serie und damit seit 1961. Ursprünglich sitzt er wegen Börsenmanipulationen für Jahre im Zuchthaus ein, wird dann aber von Perry Rhodan als Finanzminister der aufstrebenden Dritten Macht rekrutiert. Diesem Zwergstaat verhilft Adams durch illegale Kursmanipulationen an der Börse zu schnellem Reichtum, dadurch schafft er die Grundlage für Rhodans weiteren Aufstieg. Natürlich kann man dies bedenklich finden, schließlich vernichtet er dadurch auch viele Existenzen. In den Heften wird das aber nie so deutlich gesagt, denn man wollte die Handlung straff halten und schnell voranbringen. 

Adams ist optisch unverwechselbar. Ein leichter Buckel ziert seinen Rücken (und er hat sich bis heute nicht dazu bringen können, diesen zu  entfernen), schütteres Haupthaar seinen Kopf. Und er ist ein schwacher Mutant – sein eidetisches Zahlengedächtnis ermöglicht es ihm erst, in wirtschaftlichen Dingen so herausragend zu agieren. Hinzu kommt seine Einstellung zu Wirtschaft und Geld: Es ist nur Geld. Das Leben von Menschen und gleichermaßen Außerirdischen geht ihm persönlich vor. Vielleicht ist diese Einstellung eine Art Wiedergutmachung für seine verbrecherischen Manipulationen in den ersten Tagen der Dritten Macht?

Es ist Zufall, ja, aber das Geburtsdatum 11. September kann man heute befremdlich finden, denn an diesem Tag im Jahr 2001 fanden in unserer Welt die Anschläge der Taliban statt.

Dank Homer kann Perry Rhodan sein Utopia bauen. Wenn man die wenigen Informationen aus den Heften zusammenträgt, ergibt sich ein Bild des Lebens in der Dritten Macht, dem Solaren Imperium  und den Nachfolgestrukturen: Jeder Mensch hat ein Grundeinkommen, angemessenen Wohnraum, Zugang zu allen Gütern des täglichen Bedarfs und bekommt ein recht üppiges Taschengeld. Arbeiten geht dennoch fast jeder. Der öffentliche Personenverkehr und das Gesundheitswesen sind für alle kostenfrei. Durch dieses System – und die zufriedenen Bürger – erklärt sich auch, wieso Perry Rhodan über Jahrhunderte  als Staatsoberhaupt immer wiedergewählt wird. 

Über den Privatmensch H.G. Adams ist nicht sonderlich viel bekannt. Er sammelt antike Registrierkassen, mag guten Whiskey und lebt eher bescheiden. Er mag es zurückgezogen. Er blendet sich mehr oder minder bewusst aus der Wahrnehmung der Menschen aus. Hier dürfte auch seine Schüchternheit eine Rolle spielen. Er liebt Fussball. Es ist eigentlich erstaunlich, wie wenig wir Leser über die wohl wichtigste Figur der Serie (nach Perry Rhodan) wissen. Sein geheimer Traum ist ein dagobertinischer Geldspeicher aus der alt-terranischen Barks-Ära.

Adams Rolle in der terranischen Geschichte geht jedoch über die eines zurückgezogenen Finanzgenies weit hinaus. Aus jedem Angriff außerirdischer Intelligenzen lernt er und bereitet Maßnahmen vor, die im Notfall – bei weiteren außerirdischen Invasionen, aber auch bei Bedrohungen aus den eigenen Reihen – schnelle Reaktionen und den Aufbau eines Widerstands ermöglichen. Seine Geheimorganisation „Society of absent friends“ ähnelt in ihrer Struktur einem privaten Geheimdienst. So überrascht es auch nicht, dass Adams zum Staatsoberhaupt wird, als Erde und Mond im Mythos-Zyklus in den Zweiten Zweig,  den Zwilling unseres Universums, versetzt werden. Und in der Zeit der dunklen Jahrhunderte ruft er die Widerstandsorganisation WIDDER ins Leben und leitet sie, bis Perry Rhodan nach fast 700 Jahren zurückkehrt und die Cantaro und Monos besiegen kann. 

Warum also, bei all diesen Erfolgen, bekommt diese interessante Figur so wenig Platz in den Heften? Häufig ist Adams nur eine Nebenfigur und wird nur in Nebensätzen erwähnt. Ist das sein Label? 

Die Antwort lautet ja. Genau deswegen funktioniert diese Figur literarisch so gut. Weil Homer im Hintergrund bleibt und dort wirken darf, kann er in den Heften kein Dasein im Fokus führen.

7 Kommentare

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Netter Vortrag über Homer G. A.
Für mich ist er aber nur der drittwichtigste Mann. An zweiter Stelle ist für mich Bully. Das Homer so viel in Richtung Geheimdienst geht, liegt für mich an der Fehlendscheidung Mercant aus der Serie raus zu nehmen. An sich mag ich diese Person sehr.
Ich freue mich aber immer wenn über die alten Personen aus der Gründerzeit gesprochen wird. Danke dir.

Ja, er ging über Leichen in der Gründerzeit und hat dann Dreitausend Jahre Alles getan um zu „Büßen“ – deswegen wohl auch der Buckel. Ich mag ihn sehr.

Hallo Mario,
durch deine vielen Kontakte zu den früheren Autoren, würde mich interessieren, ob dir bekannt ist, ob man den guten Homer G Adams. während des Aphilie Zyklus einfach vergessen hatte und er deswegen im Nachgang als Konzept durch ES im Bardioc Zyklus wieder „rein geschrieben“ wurde, oder ob das damals vom WV so geplant war? LG
Dominik

Hi Dominik,
ich kann es leider nur mutmaßen… Man hatte ihn geparkt und tendenziell vergessen, rein Bauchgefühl. Damals hatten die Macher noch keine Perrypedia und computer, manche Figur hatte man entsprechend auch mal „übersehen“. Sie entsprechend wieder reinzuschreiben war ja nun kein Hexenwerk.

Gerade zu der Zeit war es wirklich kein Hexenwerk ihn wieder rein zu bringen, dass passt auch so für mich. Mir ist es im Aphilie Zyklus erstmal gar nicht aufgefallen, dass Homer weder auf der Sol an zu treffen, noch bei der OGN irgendwie im Hintergrund agiert hat. Aber als ich dann vor ein paar Wochen SB97 gehört habe, wo dann über Kershill Vanne erwähnt wird, das er als Konzept zurück gekommen ist, fiel es mir dann auf und ich dachte mir, frage doch mal einen Experten. 🙂

Hallo Mario,

vielen Dank für diesen Blogpost.

Als PR Newbie profitiere ich natürlich gerne von solchen Abstracts zu Personen im Perry Rhodan Universum.

Ich freue mich auch immer über Geschichten und Informationen zu Nebendarstellern in Erzählungen und Romanen. Als „Urgestein“ der Perry Rhodan Community kennst Du doch mit Sicherheit die ein oder andere interessante „Randfigur“ die einen eigenen Blogartikel wert wäre!?

Durch Zufall bin ich beim Blättern in PR 1827 (Flucht durch Bröhnder) auf einen Leserbrief von Dir gestoßen. Du hattest in Deiner Vorstelluntg zwar schon geschrieben, dass Dich das Thema Perrry Rhodan schon ein großes Stück Deines Lebens begleitet, einen direkten Beleg dafür in den Händen zu halten bzw. zu lesen fand ich dann aber irgendwie witzig.

LG, Jan

Lieben Dank für Dein Feedback, Jan.

Meinen ersten Leserbrief findest Du btw in Heft 1364 🙂 Aber bedenke, bevor Du laut loslachst: Damals war ich erst 13 😀

Danke, dass Dir mein Artikel gefällt. Ja, es gibt viele interessante Figuren, nur mangelt es mir mangels Tunnelblick momentan an Ideen. Wenn Du einen Wunsch hast, sei so frei und schreib ihn mir,ich schaue dann mal, ob man daraus etwas wirklich cooles als Artikel bauen kann

Beste Grüße

Mario

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