📖Chris liest: Star Trek – Zeit des Wandels: Geburt

Ich weiß, es ist ruhig. Vielleicht sogar zu ruhig. Aber das hat seine Gründe. Ich befinde mich derzeit und leider noch bis Ende März auf einer Fortbildung und komme derzeit nicht dazu, im gewohnten Rhythmus Podcastfolgen aufzunehmen. Es kommen wieder bessere Zeiten – versprochen. Aber solche Weiterbildungen haben den Vorteil, dass man wirklich mal Zeit zum Lesen hat. Vielleicht sogar so viel Zeit, um Dinge zu lesen, die man nicht auf dem SUB hat. 

So habe ich mir die ersten beiden Bände der Zeit des Wandels Reihe aus dem Star Trek Franchise gekauft und einfach mal wieder ein Buch gelesen. 

Worum geht es?

Die Reihe besteht aus neun Bänden, die auf Englisch unter dem Titel „A Time to …“ erschienen sind. Die ersten beiden Bände, die derzeit bei Crosscult erhältlich sind, wurden von John Vornholt geschrieben. Sie gehören NICHT zum offiziellen Star Trek Litverse Kanon und spielen zwischen dem neunten und zehnten Kinofilm. Inhaltlich bilden jeweils zwei Bände eine abgeschlossene Geschichte. Die Reihe widmet sich den Veränderungen in der Besatzung der Enterprise E, die auch im zehnten Film, Star Trek: Nemesis, thematisiert werden. Die Romane sind ursprünglich 2004 erschienen und genießen unter den Leserinnen und Lesern von Star Trek-Romanen einen guten Ruf. Bei Crosscult sind die ersten vier Bände bereits erhältlich und die restlichen vier als vorbestellbar gelistet. Ob es auch der neunte Band auf den deutschen Markt schafft, ist mir derzeit nicht bekannt. Besonders gefreut habe ich mich über die Übersetzung des fantastischen Björn Sülter.

Der erste Band beschäftigt sich mit den Folgen des Dominion-Krieges. Im Trümmerfeld von Rashanar versuchen Vertreter der beteiligten Kriegsparteien, ihre Toten zu bergen. Immer wieder kommt es zu Kämpfen mit Plünderern und seltsamen Phänomenen. Als die Enterprise unter dem Kommando von Picard zur Unterstützung der Sternenflotteneinheiten vor Ort eintrifft. Doch die eigentlich nur für drei Monate geplante Mission entwickelt sich zu einer Katastrophe. 

Am Ende einer Kette von Unglücken steht der Verlust des Sternenflottenschiffs Juno und der Vuxhal, dem Flaggschiff der Ontalianer. Durch die unglückliche Beziehung zwischen Picard und der Kommandantin der Juno, Captain Leeden, geraten die Ermittler der Sternenflotte ins Visier. Denn die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Die Ontalianer drohen mit dem Austritt aus der Föderation und wollen einen Schuldigen. 

Wie der Roman am Ende ausgeht, soll hier nicht verraten werden, denn er hält einige Überraschungen bereit. Dass Wesley Crusher auch hier eine wichtige Rolle spielt, muss ich aber verraten.

Wie kam der Roman bei mir an?

Die Einbindung von Wesley Crusher in seiner Rolle als Reisender hat mich anfangs etwas gestört. Hier hat sich einfach die Angst vor Pannen wie in der Picard-Fernsehserie eingeschlichen. Am Ende ist der Einsatz der omnipotenten Figur aber wohldosiert und angenehm. Etwas schade ist allerdings, dass dieses Wesen eine Gefahr wie Rashanar erst zu spät erkennt und somit seiner selbstgewählten Rolle als Schutzengel der Enterprise nicht wirklich gerecht wird. 

Die Crew der Enterprise, die hier prominent im Mittelpunkt steht, kann mich immer wieder überzeugen. Hier wird zwar nichts bahnbrechend Neues gemacht, aber die Charaktere fügen sich gut in die Geschichte des neunten und zehnten Films ein. Dass Jean-Luc am Ende den Märtyrer spielt, hat mich überrascht. 

Die Admiralität verhält sich wunderbar nach den bekannten Mustern der Serie. Auch hier ist kaum eine Struktur oder Organisation zu erkennen. Es wirkt immer so, als hätte man nur einen gebraucht und den erstbesten bekannten Namen aus dem Hut gezaubert. Die Sternenflotte kommt mir hier eher wie eine kleine Reederei vor, in der jeder genau das macht, worauf er gerade Lust hat. Realistisch ist etwas anderes.

Auch der Umgang mit dem Captain der Sternenflotte, Jean Luc Picard, erscheint mir unglaubwürdig. Denn eines hat die Sternenflotte nach dem großen Krieg gegen das Dominion sicher nicht im Überfluss: erfahrene Raumschiffkapitäne. 

Der Mikrokosmos Rashanar ist für mich aber der heimliche Star dieses Romans. Denn so bedrohlich und völlig unberechenbar treibt ein eigentlich toter Raum die Handlung voran. Die moralische Bedeutung der Bergung der Toten, die hier als treibendes Motiv der Sternenflotte erscheint, finde ich emotional berührend und nach den Geschichten von Deep Space Nine ehrenwert. 

Das Gesamtpaket muss ich am Ende des ersten Bandes allerdings etwas abwerten. Der Einstieg kommt zu plötzlich und die Einführung der Reisenden erscheint mir etwas holprig. Rashanar ist faszinierend, aber im Kampf mit den Androssi hat die Geschichte ihre Längen. Höhepunkte sind der Flug über die Trümmer, die Verhandlungen vor dem Tribunal und Wesleys Einbindung als Ensign Brewster.

Wie soll ich den Roman bewerten?

Nach langer Zeit habe ich mal wieder einen Star Trek Roman gelesen und verschlungen. Allerdings muss man sich auch die eine oder andere Schwäche eingestehen. Wie so oft werde ich auch diesen Roman erst endgültig bewerten können, wenn ich auch den zweiten Band der Reihe gelesen habe, der hoffentlich die Geschichte rund um Rashanar abrundet. Als Auftakt wirklich unterhaltsam, aber mal sehen, was noch kommt. Ich bleibe gespannt und neugierig. Ich habe auf Goodreads 4/5 Sterne vergeben.


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