Arkons dunkle Zeit beginnt mit dem NEO-Band 260, umfasst wie (fast) immer zehn Romane und wurde von insgesamt sechs Autoren verfasst. Wie gewohnt liefern dabei die beiden „Expokraten“ Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm jeweils zwei der zehn Romane ab, das Gleiche gilt für Ben Calvin Hary und Lucy Guth. Die restlichen beiden wurden von Kai Hirdt und Ruben Wickenhäuser verfasst.

Die Staffel knüpft nahtlos an die vorherige an, das heißt, die Erde schwirrt nach einem misslungenen Experiment um die Sonne Akon, die SOL wurde durch die Quantenquelle geschleudert und im heimatlichen Solsystem herrschen die Überschweren. 

Eine kurze Zusammenfassung

Die SOL, an Bord Perry Rhodan, seine Frau Thora, Atlan und weitere prominente Terranern und Extraterrestrier, landet rund 10.000 Jahre in der Vergangenheit der Milchstraße. Die Methankriege befinden sich auf ihrem Höhepunkt und die Terraner geraten zwischen die Fronten. Sie müssen zunächst herausfinden, was sie in dieser Zeit überhaupt sollen bzw. wie sie zurückkehren können.

Die führenden Köpfe beschließen, nach Arkon zu fliegen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Schließlich steppt dort zu dieser Zeit der galaktische Bär. Unterwegs fischt man einen Meister der Insel auf, die Konstruktionspläne der Konverterkanone werden erst gerettet, dann verloren und schließlich per MdI-Kurier doch Richtung Arkon geschickt.

Eigentliches Ziel der SOL ist es jedoch – wie sich recht schnell herausstellt –, im Arkonsystem die Kaskade von Kärfouell aufzuhalten. Der sogenannte Quantenschatten aus allertiefster Vergangenheit versucht mit Hilfe der Positronikverbände des Arkonsystems erneut zu erwachen und eine echte künstliche Intelligenz zu erschaffen. Sein Ziel ist es, die Arkoniden zu unterjochen und als Werkzeuge zu benutzen.

Die Kaskade zu verhindern, scheint auch der Grund für die Reise in die Vergangenheit gewesen zu sein, denn ohne das Eingreifen der SOL mitsamt SENECA und Sofgarts Atorakten wäre das nicht möglich gewesen.

Ganz nebenbei erfahren die Terraner so einiges über die Zusammenhänge zwischen Akonen und Arkoniden, über die Kriegsverläufe und auch über die Gon-Mehkara – die Überschweren. Letztere sind Zuchtprodukte der Mehandor – speziell für den Krieg gegen die Maahks erschaffen.

Als die Maahks das Arkonsystem erreichen, begeht Leticron, der Anführer der Überschweren, Verrat und fällt den Arkoniden in den Rücken. In diesem Chaos beginnt zu allem Überfluss auch noch die Kaskade von Kärfouell.

Durch das Eingreifen der Terraner, inklusive des Einsatzes von SENECA, Atorakten und einigen terranischen Tricksereien, gelingt es, die Kaskade zu stoppen und nach Erbeutung des letzten, neunten Atorakts in die eigene Zeit zurückzukehren. Dabei gehen dummerweise ein gewisser Alaska Saedelaere und eine Korvette mit einigen Deserteuren in der Zeit verloren.

Puh, doch nicht so kurz, aber viel kürzer geht es bei einer ganzen Staffel leider nicht.

Das Leseerlebnis

Vorab sei gesagt, dass ich NEO als Serie wirklich liebe und dass nachfolgende Kritik „Jammern auf hohem Niveau“ ist.

Trotz ein paar Schwächen im Spannungsbogen – dazu später mehr – hat die Lektüre sehr viel Spaß gemacht. Ich fühlte mich fast durchgehend unterhalten. Perry Rhodan NEO liefert einfach seit Jahren sehr konstant hochklassige und spannende Science-Fiction ab. Das ist schlicht und einfach: ganz großes (Kopf-)Kino!

Auch die Staffel Arkons dunkle Zeit bildet da keine Ausnahme: tolle Einzelromane, wunderbare Charakterentwicklung und ein insgesamt gelungener Handlungsbogen über die ganze Staffel.

Ich persönlich habe – und das ist für diese Staffel recht bezeichnend – Leticrons List von Rüdiger Schäfer am meisten genossen. Warum bezeichnend? Weil es der einzige Roman ist, der nicht in der Vergangenheit, sondern in der Seriengegenwart spielt und damit eher einen Vorgriff auf die kommende Staffel darstellt.

Dahinter, bei gleichbleibend hoher Qualität und in meiner Bewertung sehr nah beinander, folgen Die Zeit aus den Fugen von Kai Hirdt, Meister der Spione von Ruben Wickenhäuser und Schach für Thora von Ben Calvin Hary. Alle drei sind absolute Pageturner und in diesen Fällen hätte ich mir mehr als nur 160 Seiten gewünscht.

Das soll nicht bedeuten, dass ich die restlichen Romane der Staffel schlecht fand – keiner der zehn Bände bekäme von mir weniger als sechs Punkte auf einer Zehnerskala. Trotzdem fallen sie für mich bei Handlung oder Spannung hinter den oben genannten Romanen zurück. Speziell das Staffelfinale Der neunte Atorakt war sehr unspektakulär und vorhersehbar und inhaltlich für mich der schwächste Roman. 

Notiz am Rande: Rüdiger Schäfer liefert somit den für mich subjektiv stärksten und den subjektiv schwächsten Band der Staffel ab.

Licht und Schatten der Staffel

Wo Licht ist, ist auch Schatten und umgekehrt. Das Staffelfinale war für mich persönlich das „schattigste“ Plätzchen der Staffel, eben weil nicht mehr viel passierte, was mir nicht vorher schon halbwegs klar war – inklusive des Zurückbleibens von Saedelaere und der Korvette mit den Deserteuren. 

Auch die Episode um Atlan, seine Mutter und sein schon recht irrationales Verhalten in dieser Situation waren nicht unbedingt mein Highlight, auch wenn der Roman Die Imperatrix von Ben Calvin Hary an sich gut geschrieben war.

Arkons dunkle Zeit muss natürlich weiterführen und aufarbeiten, was die Vorgängerstaffel bereits vorgelegt hat, nämlich die Themen Zeitreise und Quantenschatten, beides Themen, die mir persönlich nicht wirklich liegen. Zeitreisen mag ich nicht und das ganze Quantenthema ist zwar realwissenschaftlich hochinteressant, für eine Serie wie Perry Rhodan NEO allerdings irgendwie zu abgehoben.

Über die lichterfüllten Momente habe ich oben auch schon einiges geschrieben, die Einzelromane waren fast durchgehend großartig und gehören teilweise zu den besten NEOs der letzten zwei Jahre.

Die Rückkehr von Ruben Wickenhäuser hat mir sehr gefallen, denn ich mag seine Art zu schreiben – auch das war eines meiner Highlights.

Am Ende bleibt aber bei mir ein Gefühl der Erleichterung, dass Arkons dunkle Zeit hinter uns liegt. Das Motto heißt nun “Zurück in die Zukunft” – und dort wartet ein gewisser Leticron. Auf diesen vielschichtigen und spannenden Antagonisten freue ich mich ganz besonders, das wird eine grandiose Staffel – davon bin ich überzeugt, besonders wenn ich an den Roman Leticrons List zurückdenke.

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